David gegen Goliath - Warum Zeitarbeit die Zukunft ist und Goliath nie eine Chance hatte

von (Kommentare: 0)

Wir leben in einer Zeit der Umbrüche - Digitalisierung und Megatrends verändern die Welt in einem nie gesehenen Tempo. Diese Umbrüche erfassen alle Branchen und sogar gesellschaftliche Grundwerte. Die Politik hinkt derzeit hinterher und reguliert unsere Branche weiter und weiter. Dabei  ist Zeitarbeit die Zukunft der Arbeit, nicht ein neoliberaler Auswuchs zu dem sie immer gerne stilisiert wird.

Das größte Taxiunternehmen der Welt besitzt keine Taxen (uber), der größte Makler der Welt keine Immobilien (immoscout24). Das Unternehmen, das die meisten Reiseübernachtungen organisiert, keine Hotels (airbnb). Die Welt ändert sich und sogenannte Disruptoren lassen ganze Branchenriesen wanken und straucheln. Das iPhone genügte um Nokia den Garaus zu machen. Die Zukunft gehört den schnellen, kleinen Unternehmen. Den start ups und den schlanken, effizienten Organisationsformen.

Wie konnte David Goliath besiegen?

fragt Christoph Keese in seinem Buch "Silicon Germany - Wie wir die digitale Transformation schaffen.". Er war groß, übermächtig und mit einer schier übermenschlichen Kraft ausgestattet. Die Antwort lautet: indem David den Kampf verweigerte und ihn durch Technik - nämlich durch eine Steinschleuder - besiegte. In Wahrheit hatte Goliath nie ein Chance, weil ihm der Kampf, so wie er vonstatten ging, unmöglich war. Er ging quasi mit einem Messer zu einer Schießerei und unterlag deshalb.

Disruptor vs. Konzern - ein ungleicher Kampf.

Dieses Bild lässt sich wunderbar auf die Wirtschaft übertragen: große Tanker werden gegen die kleinen, wenigen Schnellboote - die Disruptoren - verlieren, denn sie können weder die Technik noch die Geschwindigkeit aufbieten, die notwendig ist, um einen aussichtsreichen Kampf auf Augenhöhe zu führen. Grabenkämpfe der Abteilungen, Gremien und Hierarchien hemmen sie.

Anders als Goliath können sich Branchenriesen und Konzerne aber in kleinere geschäftliche und strategische Einheiten zerlegen und so an Tempo und Kreativität zulegen. Genau hier liegt die Chance und die Herausforderung für die Zeitarbeit der Zukunft. Diese kleinen strategischen Geschäftseinheiten, autark organisiert und als Netzwerk horizontal verknüpft, werden schnelles Wachstum generieren und daher massiven Personalbedarf haben. Dieser wird der Natur nach temporär sein und im Idealfall durch Personaldienstleister besetzt werden. Die kleine Einheit hat weder die Ressourcen noch ein Interesse daran, sich mit solchen Thematiken auseinander zu setzen, die das Schnellboot nur langsamer machen würden.

Zeitarbeitsunternehmen sind die Steine in Davids Schleuder.

Die unterschiedlichen zeitlichen Abläufe dieser Einheiten werden es den Personaldienstleistern ermöglichen, Mitarbeiter den Wünschen und dem Anforderungs-profil entsprechend einzusetzen. Die Zeitarbeit in der Gastronomie oder in der Pflege macht es heute schon vor. Nur durch sie ist es möglich, die Geschäftseinheiten der jeweiligen geforderten Größe quasi Tag genau anzupassen.

Ein weiterer Grund für die erfolgreiche Zukunft der Zeitarbeit liegt im Wertewandel der Mitarbeiter; sie sind Individualisten, die sich ungerne nach Schema F in Formen pressen lassen wollen, kollektive Ziele werden unwichtiger - nicht zuletzt dadurch erklärt sich die Mitgliederschwund bei den Gewerkschaften. Ihre Ziele liegen auch abseits des Berufs, den sie "job" nennen und Vereinbarkeit und Arbeit und Privatleben geraten immer mehr in das Zentrum - die aktuelle Shell Studie belegt das eindrücklich; ebenso wie das Thema "Work - life - Balance"  das immer wieder in aller Munde ist.

Flexibilität ist also für beide Seiten wichtig: für Unternehmen und für die Mitarbeiter. Warum soll denn ein Mitarbeiter auf die Chance verzichten, selbstbestimmt zu arbeiten, in Projekten, oder an Tagen und Zeiten die ihr/ ihr zusagen und gleichzeitig sozial abgesichert zu sein? Zeitarbeitsunternehmen werden so mehr und mehr zu Coaches von Mitarbeitern; sie planen die Karriere und die Weiterbildung zusammen und entwickeln ihre Mitarbeiter dorthin, wo der Markt der Zukunft Bedarf hat.

Um im Bild zu bleiben: die Zeitarbeitsunternehmen werden der Stein auf der Steinschleuder Davids sein, mit dem Goliath besiegt wird.

Zukunft gestalten statt zu regulieren.

"Nichts tun bedeutet Entmachtung. Abwarten läuft auf Entmündigung hinaus." postuliert Christoph Keese in seinem Buch zurecht und fordert eine Abkehr von der rückwärts gewandten Regulierungskultur.

Die Politik muss sich auf der anderen Seite die Frage stellen, ob sie rückwärts gewandt regulieren oder  zukunftsgerichtet gestalten will. Zukunft lässt sich nicht aufhalten und Bedürfnisse nicht unterdrücken. Equal pay und Höchstüberlassungsdauer werden zukünftig nur noch Anachronismen einer vergangenen Zeit sein. Gestalten heisst, Wandel anzuerkennen und den Bedürfnissen der Menschen nach Flexibilität Rechnung zu tragen.

Die Verbände - und insbesondere der iGZ e.V. - haben erkannt, dass eine mögliche Zukunft der Zeitarbeitsunternehmen in der Bildung liegen wird und sich entsprechend aufgestellt. Das iGZ Bildungsreferat ist ein gutes Beispiel dafür. Zukünftig wird es notwendig sein, Arbeitsmarktpolitik und Bildungsbemühungen der Branche zu verzahnen. Die Steigerung der Produktivität und der Wertschöpfung durch Bildung für die Mitarbeiter wird in das Zentrum der Bemühungen zu stellen sein. Zu lange ignorieren Behörden und Politik die Anstrengungen der Branche, Menschen so zu qualifizieren, das sie am Arbeitsmarkt teilnehmen dürfen; und in welchem Bereich des Arbeitsmarktes sie das wollen.

Christoph Keeses Äußerung "Nichts tun bedeutet Entmachtung. Abwarten läuft auf Entmündigung hinaus." muss dabei von Verbandsseite allerdings auch im Bereich der Gesetzgebung bedacht werden. Klammheimliche Zustimmung, schlimmer noch: vorauseilender Gehorsam und  Abhängigkeit von Kundenbranchen in zentralen Fragen der Unternehmensfreiheit dürfen nicht unwidersprochen bleiben und müssen mit aller Macht verteidigt werden.

Das Gestalten der Zukunft stellt Zeitarbeitsunternehmen aber auch vor die Aufgabe neue, ganzheitliche Geschäftsmodelle zu entwickeln, die Bildung, Weiterentwicklung der Mitarbeiter und das Kerngeschäft der Zeitarbeit für Unternehmen zusammen bringen. Diese Aufgabe ist eine der komplexesten Unternehmensaufgaben der Zukunft, denn sie beinhaltet die Weiterentwicklung der Fähigkeiten und Fertigkeiten der Mitarbeiter auf die Bedürfnisse eines zukünftigen Marktes. Wird dieses Ziel erreicht, wird die Branche zentraler Leistungsträger für alle Branchen national und international werden.

Zurück

Kommentare

Einen Kommentar schreiben

Bitte rechnen Sie 4 plus 8.